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Wie verhalten sich Mensch und Digitalität zueinander – wir diskutieren es an einer Reihe von Praxisfällen. Wie ist die Zukunft des Handels und was macht sie in Osthessen, ausgerechnet? Woher kommt unser Reflex, Algorithmen und Daten mit Angst und Abwehr zu begegnen? Systembiologie unternimmt den Versuch, das Leben jedes einzelnen in seiner vielfältigen Gänze zu vermessen, Prognosen zu errechnen und uns damit die Chance zu geben, viel länger und viel besser leben. Plus: Digitale Bildung ist möglich. In Deutschland!

Ein Klick – und die Zukunft ertönt.

Hört die komplette Folge von Mai 2021 hier:

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Ein Stapel Laptops vor der Schule hat nichts mit digitaler Bildung zu tun. Es ist einfach ein Stapel Laptops, weiter nichts. Klick um zu Tweeten

Diesen Monat in der Zukunft:

Osthessen, unendliche Weiten. Mitten drin steht Teo, genauer: liegt Teo, eine überdimensionale Rolle aus Holz, freundlich angestrichen, Türen an den beiden Enden. Darin befindet sich die Zukunft des Handels. Oder jedenfalls etwas, was den Weg dahin zeigen könnte: Ein völlig automatisierter Nahversorger, mit Lebensmitteln und allem, was man für den täglichen Gebrauch benötigt – nur eben völlig ohne Personal. Und obwohl die Technologie zentral ist, der Effekt weist in genau die andere Richtung. Teo wird geliebt. Menschen bauen eine Beziehung zu ihm, fühlen sich berührt. Gerade das Digitale taugt hier als Anker für Emotion. Wie die Erbauer von Teo diese Nahbarkeit in einen automatisierten Laden integriert haben, darüber spricht Michael Carl mit Arne Schultchen, Gründer und Kreativdirektor von „design for human nature“, einer Hamburger Designagentur.

Der Reflex sitzt: Wo immer jemand aufsteht und eine digitale Lösung aufzeigt, findet sich stets der oder die nächste und zieht die Karten „Datenschutz!“ – völlig abgesehen davon, ob es im konkreten Einzelfall passt oder eben nicht. Als hätten wir vor dem Thema Daten Angst. Oder mindestens vor den Algorithmen. Was sieht eigentlich ein Algorithmus, wenn er auf Daten schaut, wenn er auf die Abbildung eines Menschen in Daten schaut? Der Deep Dive in die Datenwelt mit dem Informatiker Kristian Kersting, Leiter des Artificial Intelligence and Machine Learning Lab der TU Darmstadt.

Man nehme Daten, viele Daten, möglichst alle, die sich rund um einen Menschen erheben lassen. Man lerne Biologie, viel Biologie. Und man modelliere Zusammenhänge und Logiken. Schon sind wir beim Versprechen der Systembiologie: Die Vermessung des Lebens führt zum Ende der Medizin. Wir haben die Chance, im konkreten Einzelfall abzuschätzen, wie sich das eigene Wohlbefinden entwickeln wid, welchen langfristigen Einfluss die halbe Flasche Rotwein, der Sport am Vortag und der Stress auf der Arbeit auswirken werden. Krankheiten verhindern, bevor sie überhaupt auftreten können. Die Systembiologie verspricht das einzulösen, was Zukunftsforscher – ja genau, wir auch – seit langem prognostizieren. Peter Spork hat gerade ein ausführliches Buch veröffentlicht, die „Vermessung des Lebens“ heißt es. Warum es nicht „Das Ende der Medizin“ heißen durfte, erzählt er im Gespräch mit Michael Carl. Wir finden: Das wäre der bessere Titel gewesen.

Gute Bildung geht. In Deutschland. An öffentlichen Schulen. Dass das an sich schon einen gewissen Neuigkeitswert hat, ist genau so bedenklich wie der Zustand der Bildung unter den Bedingungen von Corona. Die Pandemie hat ja aber kaum neue Probleme für das Bildungssystem erzeugt, sie hat sie nur deutlicher hervorgebracht. Es ist ein Trauerspiel. Dass es besser geht, beweist Michael Pallesche, Leiter einer ganz und gar nicht normalen Schule in Karlsruhe. Er sagt: Digitale Bildung hat nichts mit einem weiteren Stapel Laptops zu tun. Digitale Bildung ist Lernen in Gemeinschaft, gemeinsam kreativ sein, selber lernen. Seine Schülerinnen und Schüler haben nur ein Drittel der Zeit klassischen Unterricht, ein Drittel für Gemeinschaftsprojekte und ein Drittel für Selbstlernphasen. Für die Zeit nach Corona plant Michel Pallesche, den Schülerinnen und Schülern mehrere Home Office-Tage pro Woche zu geben: Lernen kann man überall. Wenn man es gelernt hat zu lernen. Michael Carl plant bereits seinen Umzug nach Karlsruhe.

Im Institut stapeln sich derzeit die Manuskripte, Bilder, Papiere – unser Buchprojekt „Creating the better normal“ wird konkret. Noch im Mai wollen wir einen Sammelband herausgeben mit Gedanken, Impulsen, Beiträgen zur Zukunft nach der aktuen Phase der Pandemie. Wenn wir weder einfach zum „old normal“ zurückwollen (siehe Bildung!), noch ein schematisches „new normal“ akzeptieren wollen, müssen wir jetzt beginnen, über die Zeit nach Corona nachzudenken, zu eden, zu streiten, kreativ zu sein: Wie wollen wir arbeiten, wie wollen wir leben? Wie wollen wir wirtschaften, lernen, kommunizieren? Alle Neuigkeiten zu „Creating the better normal“ teilen wir direkt über LinkedIn und Twitter.

Die Gäste des Monats:

Arne Schultchen, Gründer, CEO und Kreativchef von „design for human nature“

Kristian Kersting, Professor für Informatik an der TU Darmstadt, Leiter des „Articial Intelligence and Machine Learning Lab“

Peter Spork, Wissenschaftsautor, zuletzt: „Die Vermessung des Lebens“, DVA 2021

Michael Pallesche, Leiter der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe

Post Author: Michael Carl