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Technologie ist zutiefst menschlich, mehr noch. Ihr Einsatz macht uns menschlicher. Sagt Enno Park, Autor, Denker und Cyborg.

Wir können zwar nicht abschätzen, wie Technologie uns in den kommenden Jahren prägen wird, aber: Wir müssen es zumindest versuchen. Denn ohne Technologie werden wir nicht nur ein Stück Menschlichkeit verlieren, wir werden auch an der Eindämmung der Klimakrise scheitern. Ein Gespräch über menschliches und technisches. Wo stehen wir?

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Diese Woche in der Zukunft:

Technologie macht uns menschlicher. Und das ist gut so. Sagt der Autor, Denker und Cyborg Enno Park. Die Geschichte des Menschen ist eine Geschichte der Technikentwicklung; ohne Technik könnten wir nicht sein, was wir heute sind. Wie zutiefst menschlich Technik ist, sehen wir schon bei vermeintlich einfachen Geräten wie einem Ofen. Kochen mit einem Ofen lagert einen Teil der Verdauungsprozesse aus dem Menschen aus. Damit haben wir es uns ermöglicht, uns anders zu ernähren, anders zu leben, ein anderes Sozialverhalten zu entwickeln, andere Berufe, Krankheiten, etc. So zu sein, wie wir heute zivilisiert leben. Technik ist die Natur des Menschen. 

Enno Park ist ein Cyborg. Medizinisch gesehen vollständig gehörlos, kann er mit zwei Implantaten ungefähr genauso gut hören wie ein durchschnittlich hörender Mensch. Bonusfunktion: Enno braucht keine Kopfhörer. Er holt sich Musik und den Ton von Videokonferenzen direkt auf die Ohren. Für Enno fühlen sich die Implantate längst an wie Körperteile, die Technologie ist Teil seiner Identität. Seine These: Für diese Identität ist es überhaupt nicht wichtig, ob die Technologie fest im Körper integriert ist. Das Smartphone ist ebenso längst zu einem Körperteil geworden. Wie ein zusätzliches Sinnesorgan hilft es uns, die extra Schicht – genannt: Internet – wahrzunehmen, die wir über die Welt gelegt haben. 

Wie wird uns Technologie in den kommenden Jahren beeinflussen? Was kommt auf uns zu? Was ergibt die – Achtung: sehr deutsches Wort – Technologiefolgenabschätzung? Enno Park sagt: Wir können das nicht sinnvoll abschätzen, aber wir müssen es tun. Aus seiner Sicht sind es vor allem die Entwicklungen rund um Systeme künstlicher Intelligenz und Biotechnologie, die auf absehbare Zeit prägen werden, wie sich unser Leben entwickelt. Und das ist im Kern eine positive Nachricht, weil wir ohne technologischen Schub keine Chance hätten, ernsthaft der größten aktuellen Krise zu begegnen und die Erderhitzung auf nicht viel mehr als 1,5 Grad zu beschränken. 

Allein die Herausforderung der Klimakrise führt Enno Park zu der Forderung: Wir sind aufgefordert, Technologie jetzt zu nutzen. Und wir sind aufgefordert, ihren Einsatz auch politisch durchzusetzen, wo immer das Handeln des Einzelnen nicht hinreicht. 

Das aktuelle Buch von Enno Park heißt „Sozioinformatik: Ein neuer Blick auf Informatik und Gesellschaft“; er hat es gemeinsam mit Katharina Zweig, Tobias Krafft und Anita Klingel veröffentlicht. 

Der Gast in dieser Woche:

Enno Park, Autor, Denker, Informatiker. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Technikkultur und der Mensch-Maschine-Beziehung. www.ennopark.de, @ennopark

Post Author: Michael Carl