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Aber nach den Großen Ferien ist dann doch in der Schule wieder alles so gut wie früher, oder Frau Müller? Setzen, Sechs, Thema verfehlt. Was macht zukunftsfähige Bildung aus und wie können wir sie heute im Schulsystem realisieren?

Wer mag, kann auch noch fragen, ob die Schule vor Corona wirklich gut aufgestellt war. Auch wenn die Antwort ohnehin klar ist. Zumindest für Schulleiterin Müller aus Hatten. Wie sie ihre Schule zu Offenheit und Dialog, Luftfiltern und Internet treibt und wer in der Pandemie positive Lernerfahrungen gesammelt hat. 

Hefte raus, Klassenarbeit, dann Podcast an!

Hört die komplette Folge 46 hier:

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Diese Woche in der Zukunft:

Ein Interview mit einer Schulleiterin in den Sommerferien 2021. Erste Frage: „Aber nach den Ferien ist dann ja wieder alles so gut wie früher – wie viele Fehler stecken in diesem Satz?“ – und damit wäre das Gespräch dann auch schon fast zu Ende gewesen. Silke Müller ist Leiterin der Waldschule Hatten im Westen Niedersachsens. Und sie lässt kaum ein gutes Haar am heutigen Schulsystem. Wenn es unser Ziel sein sollte, die Kinder auf die Zukunft vorzubereiten, mehr noch: sie in die Lage zu versetzen, ihre und unsere Zukunft zu gestalten, dann werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Schule macht Schülerinnen und Schüler nicht fit für die Zukunft. 

Was würde helfen? Ein neues Fach, vielleicht „Zukunft“, „Wirtschaft“ oder „Verantwortung“? Ein klares Nein. Die Zahl der Fächer ist ohnehin zu hoch, die Inhalte gehen an Leben und Herausforderungen der Kinder vorbei. Vor allem aber: Es geht um vernetztes Lernen und übergreifende Inhalte. Ein weiteres Fach zersplittert die Inhalte nur noch mehr. An der Waldschule Hatten nehmen alle Kinder 2 Stunden pro Woche am Projekt „Leben lernen“ teil. Das ernüchterte Fazit: In diesen 2 Stunden lernen die Kinder oft mehr als im gesamten Rest der Woche. Spricht nicht gerade für die übrigen Fächer …

Schon hier beginnt die Kultur der Digitalität. Aufgaben sind nicht mehr „Deutsch“ oder „Geschichte“, Aufgaben sind relevant oder nicht. Relevante Aufgaben lassen sich nicht alleine lösen. Also braucht es andere Lernformen und andere Freiheiten beim Lernen. Ja, und auch Technik – auch wenn der Klassensatz Laptops alleine die Digitalisierung der Bildung keinen Zentimeter voranbringt.

Die Liste der ganz praktischen Maßnahmen ist lang: Eine andere Rhythmisierung des Tages? Auf jeden Fall. Silke Müller hat an ihrer Schule die Klingel abgestellt. Mehr Offenheit und Dialog mit Unternehmen? Dringend, damit die Schule lernt, wie Arbeit heute längst funktioniert. Damit Schule lernen kann von Agilität, von Selbstbestimmung, von mobilem Arbeiten, von Teamwork. An der Waldschule nimmt gerade eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern die Arbeit auf und berät die Schulleitung. 

Und Corona? Natürlich gibt es die Schülerinnen und Schüler, die zuhause kein gutes Lernumfeld haben und die Unterstützung brauchen. Daneben stehen mindestens ebenso viele, die zum ersten Mal die Erfahrung gemacht haben, angstfrei, in ihrem eigenen Tempo, nach ihren eigenen Bedürfnissen lernen zu können. Spannende Frage: Sollen diese Schülerinnen und Schüler dies nach der akuten Phase der Pandemie nicht mehr können?

Silke Müller sitzt in ihrem Büro vor einem Filmplakat: „Frau Müller muss weg!“. Großartiger Film, startete gerade, als sie sich auf die Position der Schulleiterin bewarb. Ihr Credo seither: Machen! Die wichtigste Rolle der Schulleitung ist nicht, dem Schulgesetz zu Glanz und Glorie zu verhelfen, sondern Entwicklung möglich zu machen. Mit Unterstützung vom Bürgermeister hat sie Luftfilter in der Schule bekommen, überall. Es geht. Die Schule hat Breitbandinternet, seit langem. Es geht. Allein das ist inspirierend: Sich bei allen Mängeln des Systems nicht darauf auszuruhen, was nicht funktioniert, sondern die Ärmel immer gleich hochgekrempelt zu lassen. Einfach machen!

Der Gast in dieser Woche:

Silke Müller, Leiterin der waldschule-hatten.de (Niedersachsen).

Auf Twitter: @SilkeWSH

Post Author: Michael Carl